Wie bewertet man ein Unternehmen? Der KMU-Guide
Was ist dein Unternehmen eigentlich wert? Die meisten Schweizer KMU-Inhaber können diese Frage nicht beantworten – bis sie verkaufen, eine Nachfolge planen oder einen Investor an Bord holen wollen. Dann zählt jede Zahl.
Wie bewertet man ein Unternehmen also richtig? Es gibt nicht die eine Formel, sondern zwei grundsätzliche Blickwinkel: die Substanz deines Unternehmens (was es besitzt) und seine Ertragskraft (was es verdient). Für ein KMU kommt meist noch ein dritter, sehr praxisnaher Ansatz dazu – dazu später mehr.
In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie du in drei Schritten zu einer realistischen Unternehmensbewertung kommst, welche Methode für dein KMU wirklich Sinn ergibt und wo die Fallstricke liegen.
So gehst du bei einer Unternehmensbewertung vor
Bevor du eine einzige Zahl berechnest, kläre drei Dinge:
- Zweck der Bewertung – Verkauf, Nachfolge, Beteiligung oder rein informativ? Der Anlass bestimmt, wie detailliert und wie "verhandlungssicher" die Bewertung sein muss.
- Passende Methode wählen – Substanzwert, Ertragswert oder eine Kombination (Praktikermethode). Die Wahl hängt von Branche, Grösse und Datenlage deines Unternehmens ab.
- Zahlen bereinigen – bevor du rechnest, bereinige Bilanz und Erfolgsrechnung um einmalige Effekte, private Bezüge und stille Reserven. Ohne bereinigte Zahlen ist jede Bewertung nur so gut wie ihre Rohdaten.
Die zwei folgenden Kapitel erklären die beiden klassischen Bausteine – danach zeigen wir dir, wie kleine Unternehmen sie in der Praxis kombinieren.
Substanzwert: Was dein Unternehmen heute besitzt
Die Substanz eines Unternehmens setzt sich aus sämtlichen bereinigten Vermögenswerten und den stillen Reserven zusammen. Davon werden Fremdkapital sowie latente Steuern auf die stillen Reserven abgezogen.
Wichtig zu wissen: Der Substanzwert ist eine stichtagbezogene Momentaufnahme. Er sagt nichts darüber aus, ob dein Unternehmen rentabel ist oder ein gutes Zukunftspotenzial hat.
Die Methode blendet die wichtigsten Erfolgsfaktoren aus: Rentabilität, Marktpositionierung, aktueller Geschäftsgang, Entwicklungspotenzial und Marktumfeld bleiben unberücksichtigt. Aus Käufersicht ist die Substanz zwar eine wichtige Information – für eine faire Beurteilung reicht sie aber selten aus.
Trotzdem hat der Substanzwert seine Berechtigung: Bei substanzhaltigen Unternehmen (z. B. mit viel Immobilien- oder Maschinenbestand) liefert er einen ersten Referenzpunkt. Ausserdem ist er fester Bestandteil der Praktikermethode, die in der Schweizer KMU-Transaktionswelt weit verbreitet ist.
Ertragswert: Was dein Unternehmen künftig einbringt
Beim Ertragswert ist der Ausgangspunkt immer eine Ertragsgrösse – zum Beispiel der Reingewinn, das EBIT oder der Cashflow.
Einfach erklärt: Dein Unternehmen wird wie eine Investition betrachtet. Bei jeder Investition schaut man auf die Rendite und das damit verbundene Risiko – die sogenannte Renditeerwartung. Die künftigen Gewinne deines Unternehmens werden anhand dieser Renditeerwartung in einen Unternehmenswert umgerechnet.
Ein Beispiel: Ein Unternehmen erzielt einen Reingewinn von CHF 200'000. Die Renditeerwartung liegt bei 10%. Der Unternehmenswert nach dieser Methode beträgt CHF 2 Mio.
Im Gegensatz zum Substanzwert spielen die Vermögenswerte hier eine untergeordnete Rolle. Im Zentrum steht die Frage: Welche Rendite lässt sich mit diesem Unternehmen künftig erzielen?
Unternehmensbewertung für kleine Unternehmen: Was wirklich zählt
Für die meisten KMU ist weder der reine Substanzwert noch der reine Ertragswert allein aussagekräftig genug – und ein vollständiges Discounted-Cashflow-Modell, wie es Grosskonzerne nutzen, ist für ein kleines Unternehmen meist unverhältnismässig aufwändig. In der Schweizer Praxis haben sich deshalb zwei pragmatischere Ansätze etabliert:
Die Praktikermethode. Sie kombiniert Substanz- und Ertragswert zu einem gewichteten Mittelwert – häufig im Verhältnis 1 : 2 (ein Teil Substanzwert, zwei Teile Ertragswert). Diese Gewichtung spiegelt wider, was Käufer wirklich interessiert: die Substanz als Sicherheit, die Ertragskraft als Entscheidungsgrund.
Die Vergleichswertmethode (Multiplikatoren). Hier wird eine branchenübliche Kennzahl – etwa der 3- bis 6-fache EBIT oder ein Umsatzmultiplikator – auf dein Unternehmen angewendet. Das funktioniert besonders gut, wenn es in deiner Branche genügend vergleichbare Transaktionen gibt (z. B. Gewerbe, Handel, Dienstleistung).
Für ein kleines Unternehmen gilt: Je kleiner die Firma, desto stärker hängt der Wert am Inhaber selbst – an seinem Kundennetzwerk, seinem Know-how und seiner Präsenz im Tagesgeschäft. Dieses sogenannte "Inhaberrisiko" wird bei der Bewertung oft mit einem Abschlag berücksichtigt, den viele Erstbewertungen übersehen.
Fazit
Der Substanzwert ist ein guter erster Ankerpunkt – er zeigt, was dein Unternehmen heute besitzt. Bei einer KMU-Nachfolge oder einem Verkauf liegt der Fokus aber auf der Ertragskraft. Für die meisten Käufer ist ein Unternehmen erst dann attraktiv, wenn es auch Gewinn abwirft. Kombinierst du beide Perspektiven über die Praktikermethode und vergleichst sie mit branchenüblichen Multiplikatoren, erhältst du eine realistische, verhandlungsfähige Grundlage.
Du planst eine Nachfolge, einen Verkauf oder möchtest ein Unternehmen in der Schweiz gründen? Wir begleiten Schweizer KMU in jeder Phase – von der Gründung bis zur Unternehmensbewertung.
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